Pöltls Kühlschrank

Digitaler Familienhaushalt

Bo-β-kashi

Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt…

Die Ausgangslage: In unserem Studentenwohnheim – ca. 90 Bewohnerinnen und Bewohner – gibt es keine Trennung von Biomüll und dememtsprechend keine Biotonne.
Seit Anfang 2015 ist die getrennte Sammlung von Bio- und Restmüll von der Bundesebene vorgeschrieben [1], aber Hamburg hat auf Selbstverpflichtung der Wohnwirtschaft gesetzt. Erst im November 2015 hat die Stadtreinigung begonnen, die 44,8% der Haushalte anzuschreiben, die noch keine Biotonne aufgestellt haben. [2] Am Anfang stand also die Frage: Wohin mit Eierschalen, Kaffeefilter, Bananenschale, Zwiebelschalen und co.? Bisher war die Antwort tatsächlich: Alles in einen Sack und ab in den Restmüll.

Dann war ich beim KlimaCamp im Rheinischen Braunkohlerevier. Eine Kneipkur für das Weltbild und die eigenen Überzeugungen. Wie nach jeder guten Kur kam ich strotzend vor neuen Ideen zurück. Mein besonderer Dank an dieser Stelle geht an A. von kanTe (kollektiv für angepasste technik, Berlin) und Niels Jobstvogt ( ) für die informativ-aktiven Workshops im Landwirtschafts-Barrio.

Der Plan: Ich baue ein Bokashi-System…

Der Totenkopf-Joghurtbecher

Auf dem Workshop zu „Guerilla Composting“ fiel mehrfach der Name Ayumi Matsuzaka. Auch ihr gebührt Dank, denn sie hat wunderschön illustrierte und unter CC-Lizenz erschienene Bauanleitungen für Bokashi-Systeme und Würmerkisten erstellt (.pdf , 1,3MB).

Mikroorganismen-Starterkultur - CC-BY-SA 3.0

Mikroorganismen-Starterkultur – CC-BY-SA 3.0

  • Biomüll war vorhanden und fällt in einem 2-Personen-Haushalt kontunierlich an.
  • 300g Asche und Holzkohlereste – nehmt Euch einen Joghurtbecher und eine Handschaufel und geht abends auf die Grillwiesen des Parks Eures Vertrauens. Lasst alles ggf. über Nacht auf einem Backpapier trocknen.
  • 200ml Urin – … war vorhanden 😉
  • 4EL Zucker
  • je 1 Päckchen Trockenhefe und Sauerteig-Ansatz

Die monetären Kosten bis hier sind nichtmal 2€.
Mischt alle Zutaten in einem 1l großen, verschließbaren Gefäß. Ein Joghurtbecher tut es völlig. Wichtig ist es, vor Verschließen des Bechers, alle Zutaten fest anzudrücken. Es soll eine anaerobe Gärung stattfinden. Legt eine Kunststofftüte ins Gefäß und blast sie wie einen Luftballon auf. Dann erst kann das Gefäß verschlossen werden.
Lasst das Gefäß eine Weile stehen. Ich habe vier Stunden gewartet.

Licht? Wärme? Egal, Hauptsache Zimmertemperatur. Stellt das Gefäß irgendwo hin. Und kennzeichnet es unmissverständlich als Asche-Urin-Zucker-Hefe-Mischung aka „der Totenkopf-Joghurtbecher“ 😉

Bo-β-kashi

Für das eigentliche Gefäß braucht ihr zwei 10l-Eimer. Ich bin in das erstbeste Burger-Lokal um die Ecke gegangen – und bin nach zwei Minuten und einem Dankeschön an das Küchenpersonal mit zwei Ex-Mayonnaise-Eimern wieder gegangen. Mission beendet!
Ein Eimer, der „äußere“ Eimer, bleibt unangetastet. Er dient nur dazu, die abtropfende Flüssigkeit zu sammeln.
Der zweite Eimer, der „innere“, wird nur am Boden mit Löchern versehen. Ich habe mit einem 5mm-Bohrer in 3 Lochscheiben Löcher gebohrt, der chaotisch-unstrukturierte Ansatz mit einem dicken Nagel und einem Hammer geht sicherlich auch.

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„innerer“ Eimer mit Lochscheiben – CC-BY-SA 3.0

Steckt den inneren Eimer fest in den äußeren Eimer. Es soll keine Luft zwischen den beiden Eimern eindringen können. Mischt nun den Inhalt des Totenkopf-Joghurtbechers mit Eurem Bioabfall. Die erste „Schicht“ oder Beladung mit Biomüll sollte ca. Querfinger hoch den Boden des inneren Eimers bedecken.
Als Abdeckung habe ich für den großen Eimer einen leeren Müllsack aus biologisch abbaubarem Material genommen. In den sauberen Sack habe ich eine runde Korkscheibe gelegt. Nehmt was ihr findet – Hauptsache, ihr könnt damit neue Schichten verdichten und mögliche Lufteinschlüsse auspressen.
Müll plus Mische drin? Check! Ich habe mich entschieden, noch einen Becher abgelaufenen Quarks und 4 EL Zucker drauf zu streuen, aber mehr aus Bauchgefühl als aus Kalkül. Müllsack drauf, an den Rändern gut abdichten, mit Korkplatte verdichten, Deckel drauf, gut schließen (!) – fertig ist die erste Beladung.
Notiert das Datum der ersten Beladung auf dem Deckel. Zusammen mit dem Datum der letzten Beladung ist das eine wichtige Info zur Planung hin zu einem kontinuierlichen Einsatz. Wie lange braucht ihr, um einen Eimer zu füllen? Das kleinste gemeinsame Vielfache dieses Zeitraums und der 4 Wochen Ruhephase verrät Euch, wie viele Eimer-Systeme ihr rotieren lassen müsst.

Da mein Bokashi noch in der Testphase ist hat er den Arbeitstitel Bo-β-kashi bekommen 😉

Die Idee reift weiter…

Bo-β-kashi - CC-BY-SA 3.0

Bo-β-kashi – CC-BY-SA 3.0

Wie geht es weiter?
Anfallender Biomüll wird nun (endlich, juhu, juhu!) separat und in möglichst kleiner Größe gesammelt. Sobald ausreichend viel für eine 3-4cm dicke Schicht angefallen ist wird Bo-β-kashi geöffnet und die neue Schicht einfach aufgetragen.

Der Feuchtegehalt soll zwischen 30 und 45 Masseprozent liegen [3]. Klar, der Biomüll, inbesondere Kaffeefilter, bringt Restfeuchte mit. Aber habt einfach ein Auge darauf, ob ihr ggf. Wasser aufsprühen oder aufgießen müsst.

Was wenn es schief läuft?
Niels hat das Buch „Kompost aus der Kiste“ [4] empfohlen. Darin sind viele Fragen und Antworten rund um Bokashi-Systeme und Wurmkisten aufgeführt.
Wichtig ist nur: Wenn es unangenehm riecht, läuft etwas schief. Die anaerobe Gährung, wie beim Hefe- oder Sauerteig, erzeugt keine unangenehm riechenden Gase.

Wohin mit dem Ergebnis?
Nach der letzten Füllung wird Bo-β-kashi vier Wochen stehen gelassen. Erneut gilt: Licht und Wärme sind zu vernachlässigende Faktoren, Hauptsache Zimmertemperatur.
Das Ferment ist quasi „vorverdaut“ und kann umso schneller in Wurmkisten zu Humus verarbeitet werden. Problem ist nur: ich habe (noch) keine Wurkiste :)
Also frage ich Freundinnen, Freunde und Bekannte. Schlimmstenfalls buddele ich nachts ein Loch im Stadtpark und kippe mein Ferment rein. Kann man vergrabenen Humus auf mundraub.org angeben?…

[1] Deutschlandfunk, 9. Januar 2015: „Biomülltonne wird Pflicht“, abgerufen am 7. September 2016
[2] Hamburger Abendblatt (hinter Paywall), 1. November 2015, „Hamburg will Papier- und Biotonnen zwangsweise aufstellen“, abgerufen am 7. September 2016
[3] The unconventional farmer „Bokashi“, abgerufen am 7. September 2016
[4] „Kompost aus der Kiste. Wurmkisten für den Hausgebrauch selbst bauen.“ Lydia Brucksch, Jasper Rimpau. Ulmer, 2013. ISBN 978-3-8001-7976-3. € 12,90

Do it yourshave – selbstgemachter Rasierschaum

CC-BY-SA 3.0 - eigenes Werk

CC-BY-SA 3.0 – eigenes Werk

Das Buch „Besser leben ohne Plastik“ von Nadine Schubert und Annelise Bunk im oekom-Verlag [1] wird gerade von vielen Leuten gelobt – u.a. einem Mitglied meiner Familie. Darin finden sich viele, viele Do-it-yourself-Anleitungen und Rezepte: Scheuermilch und Fleckentferner, aber auch viele Kosmetik-Artikel.

Zur gleichen Zeit hatte mein Mitbewohner dank der App „Codecheck“ [2] den Barcode meines Rasiergels gescannt – mit dem Ergebnis, dass darin
Außerdem beschwerte sich mein Schwager, der berufsbedingt wöchentlich innerdeutsch fliegen muss (ja, hinsichtlich Klimaschutz sehr, sehr verwerflich – aber das soll an dieser Stelle nicht kritisiert werde), dass er keine Druckbehälter ins Flugzeug mitnehmen darf.

Der Bastler in mir strich sich nachdenklich über die Drei-Tages-Stoppel: Man müsste doch eigentlich Rasierschaum selber …

Zutaten aus Afrika, um die Ecke

CC-BY-SA-3.0 - eigenes Werk

Zutaten für Rasierschaum, CC-BY-SA-3.0 – eigenes Werk

Nach kurzer Internetrecherche wurde ich auf einem US-amerikanischen Beauty-Blog fündig: „Make Your Own Shaving Cream or Shaving Gel“ von Jillee, vom Juni 2013 (abgerufen im August 2016). Darin mischt sie Rasiergel aus vier grundlegenden Zutaten zusammen: Kokosöl, unraffinierte Sheabutter, ätherische Öle und Natron.

Auf der Suche nach Bezugsquellen für mittelgroße Mengen dieser Zutaten bin ich – im Süden Hamburgs lebend – auf Sheabutter Thome aus Hamburg-Neugraben gestoßen. So sparte ich mir die Versandkosten und holte die Rohstoffe mit dem Rad direkt vor Ort ab.
Die ätherischen Öle verleihen dem Rasierscham neben einer leichten Kokosnote den Duft. Eine schnelle Umfrage unter den männlichen Familienmitgliedern inkl. besagtem Schwager und dieser Artikel „Bartöl selbst machen“ von Blackbeards (abgerufen im August 2016) ergab: Bergamottöl, Pfefferminzöl, Teebaumöl und Orangenöl sind bevorzugte Düfte für Rasierschaum für Männer.

Alpha plus Seife gleich Beta…

Kokosöl und Sheabutter wiegen in etwa gleich viel. So konnte ich das Rezept von Jillee von „cups“ auf Gramm umstellen. Auch die Natronmenge wurde angepasst. Das Natron dient als Bindemittel für Öle, macht den Schaum länger haltbar und ist außerdem ein leichtes Peeling für die Haut. Meine erste Alpha-Probe ließ sich zwar gut auftragen. Aber da nur Öle enthalten waren, ließ sich der Rasierer nicht unter fließendem Wasser reinigen. Was verbindet eine lipophile und eine hydrophile Phase? Klar! Emulgatoren wie z.B. Seife (oder Eiweiß, fun fact, aber egal…) Für die Beta-Probe wurden also 100ml unparfümierter Flüssigseife hinzugefügt.

„Do it yourshave“ Rasierschaum: Rezept
300g Kokosöl (bio)
300g Sheabutter (unraffiniert)
3,5 TL Natron (entspricht genau 3,5 Einzelbeutelchen aus dem Supermarkt)
100ml Flüssigseife (unparfümiert)
ätherische Öle (nach eigener Maßgabe)

 

Die Schritte

Flüssige Ölmischung, CC-BY-SA 3.0 - eigenes Werk

Flüssige Ölmischung, CC-BY-SA 3.0 – eigenes Werk

Vermischt in einem großen Edelstahl-Topf bei geringer Hitze das Kokosöl und die Sheabutter. (Alle Zutaten sind lebensmittelecht und lassen sich mit Spülmittel rückstandsfrei auswaschen.)
Schüttet die Mischung in ein Gefäß. Dieses muss noch keinen Schraubdeckel haben. Wir wollen darin die Mischung nur erkalten lassen.
Lasst alles auf Zimmertemperatur auskühlen, dann ab damit in den Kühlschrank für die Nacht.

erkaltete Emulsion, CC-BY-SA 3.0 - eigenes Werk

erkaltete Emulsion, CC-BY-SA 3.0 – eigenes Werk

Am nächsten Tag: Fügt Natron und Flüssigseife hinzu und hebt beide Zutaten mit einem Schneebesen unter. Fügt anschließend nach eigenem Ermessen die ätherischen Öle hinzu. Ich habe für meine (300g+300g)-Menge jeweils 15 Tropfen von drei Ölen hinzugefügt.

Selbstgemachter Rasierschaum im Schraubgefäß, CC-BY-SA 3.0 - eigenes Werk

Selbstgemachter Rasierschaum im Schraubgefäß, CC-BY-SA 3.0 – eigenes Werk

Schlagt die Emulsion mit dem Schneebesen schaumig.
Fertig? Dann füllt alles in Dosen mit Schraubverschluss. Ich habe eine 400ml Dose zur Bevorratung im Kühlschrank und eine 100ml Dose für den täglichen Bedarf im Bad befüllt.

Do it yourshave

Wie nennt man Do-it-yourself-Rasierschaum? Klar doch: „Do it yourshave“. Die Deckel meiner Schraubverschlüsse haben 8,5 cm Durchmesser. Also habe ich im quelloffenen Vektorgraphik-Editor [3] mithilfe von CC-lizenzierten Icons von The Noun Project [4] einen Deckel entworfen, der umlaufend alle Zutaten nennt. Außerdem kann das Mischdatum sowie die verwendeten Öle darauf vermerkt werden. Auf eine DinA4-Seite passen vier Deckel. Der Druck auf Klebefolie hat mich 1,40€ im lokalen Druckshop gekostet.

Die .svg-Datei findet ihr hier: https://owncloud.poeltls-kuehlschrank.de/index.php/s/b1ri00c5jzJQrdd
Das .pdf im DinA4-Format mit vier Deckeln findet ihr hier: https://owncloud.poeltls-kuehlschrank.de/index.php/s/t1iw5AwcnRrTthB
Alles ist wie immer CC-BY-SA-3.0 lizenziert.

Und die Kosten?

folgt in Kürze (Stand September 2016)

[1] „Besser leben ohne Plastik“, Nadine Schubert und Annelise Bunk, München oekom, 2016, 13 € ISBN 978-3-86581-784-6 (Link)
[2] Codecheck: Inhaltsstoffe-Check (Download auf APKpure.com, ohne Google Account)
[3] https://inkscape.org/de/
[4] https://thenounproject.com/

[MdM Juli] Mala in the Boiler Room

Nach zwei sehr rocklastigen [MdM] der letzten Monate geht es im Juli in eine ganz andere Ecke:

Wobble-wobble, toil and trouble! amps may burn and speakers bubble!

math_02Ohne Mala keine Digital Mystikz. Ohne Mala keine dmz. Ohne Mala kein Dubstep. Keiner dieser Punkte ist übertrieben.
Mitte der 2000er erhielt Dubstep rund um London Auftrieb. Tausende kamen zu den zweimonatigen Veranstaltungen wie eben der „dmz“ im Londoner Mass Club in Brixton. Die junge Musikrichtung geriet schnell auf das Radar von BBC-Hosts wie Marie Ann Hobbs. Der Pivotmoment für Dubstep war erreicht. Schon bald waberten bass-satte Klänge auch durch den Äther.

„Meditate on Bass Weight!“ war eine frühe Losung des Dubstep. Dank der satten Bässe und den angenehmen 70bpm ist die Musik zwar im Hintergrund, aber man bekommt jede Änderung der Stimmung mit.

Boiler Room

Für mich ist Mala „Musik des Monats“, weil sich zu seinem Boiler Room Set ( SoundCloud) sowohl entspannen als auch arbeiten lässt. Das 64 Minuten lange Set fasst viele gute Klänge des Dubstep zusammen: Sphärische Klänge wie in einer Tropfsteinhöhle, Echos, die in endlosen Weiten verschwinden, dumpfe base drums und feine snares und sehr tiefe Bässe. Deren Amplitude schwingt häufig und erzeugt den typischen „wobble sound“. Ein guter Freund (und Fixie-Enthusiast) sagte mal zu mir: Wer frühen Dubstep machen will, braucht nur zwei Regler: Einen für die Frequenz des Bass und einen für die Schwingung seiner Amplitude.

Rund um 2010, als in zum ersten Mal in Kontakt kam mit Dubstep, war das Genre schon reich an Subgenres. Trap oder BroStep fehlten aber noch (gut so, wenn man mich fragt). Mein erster Dubstep-Track war „Haunted“ von den Mystikz ( SoundCloud), ein zugegeben sehr, sehr simpel gestrickter Track, der mich aber bis heute im Bann hält [haunted eben ;)].
Das Dubstep-Duo meiner Wahl wurde sehr schnell Cutline aus Bristol. Empfehlenswert sind definitiv deren UKF-Podcasts. Aber spätestens seit 2014 gerieten beide in den Sog der amerikanischen EDM-Bewegung, die auch Skrillex groß gemacht hatte. Was lernen wir daraus? Dubstep ist mehr als einfach ein Mikrofon in einer voll automatisierten, voll roboterisierten Fertigungsstraße. Dubstep kommt aus dem Dub und Mala hält für diese Wurzeln die Fahne hoch.

Also gönnt Euch das Set. Statt einer „Kling wie…“-Auflistung gibt es dieses Mal eine Auflistung der fettesten und prototypischsten Drops im Set:

[MdM Juni] Adebisi Shank

von langen Bandnamen zu langen Albumtiteln…

math_01Ich liebe die irische Math-Rock-Band „And So I Watch You From Afar“ (Bandcamp-Profil). Fetzig, innovativ und vor allem herrlich reich an verschiedenen und abwechselnden Rhythmen. Math rock eben.

Seit einigen Jahren liegt es bei vielen Rock-Bands, vom Metalcore bis hin zum Post-Rock, im Trend, sich lange (und nicht immer sinnvolle) Bandnamen zu geben: „We Butter the Bread with Butter“, „If Trees Could Talk“. Zweisilbig wie „Mo-by“ ist ja voll Neunziger…
Die Trancecore-Band „His Statue Falls“ kommentiert das sarkastisch mit ihrem Track (einatmen, los geht’s) „Does Any Of You Guys Know Why For God’s Sake Every Band On Earth Gotta Have Long Songtitles“ ( youtube). Trancecore kam dank eines fantastischen Menschen auf meinen musikalischen Horizont, vielleicht werde ich dazu an anderer Stelle schreiben.

Neben ASIWYFA liebe ich auch mein Fahrrad und meinen .mp3-Player. In Kombination mit sommerlichen Temperaturen verbringe ich viele Stunden Musik hörend auf dem Fahrrad. Auch wenn ASIWYFA auf dem Fahrrad gut nach vorne geht habe ich mich für neuen, ähnlichen Sound interessiert. Und da mir Spotify aus datenschutzrechtlicher Sicht nicht liegt ist der matching-Algorithmus meiner Wahl tastekid (Link). Vorhang auf für Adebisi Shank…

This Is The Second Album Of A Band Called Adebisi Shank

Die dreiköpfige Combo Adebisi Shank stammt(e) aus Irland. Wer also denkt, dass Iren nach x Bier nur noch zu U2 oder „I’m shipping out to Boston“ von den Dropkick Murphys hin und her schunkeln kann, unterschätzt die grüne Insel und ihre Bewohnerinnen! Oder wie es der Musikhandel jpc ausdrückt:

Adebisi Shank sind eine elektrische, laute Band aus Irland, die unter Beweis stellt, dass Irland an der künstlerisch-experimentellen Front über so viel mehr Power verfügt als die unter dem Deckmantel des Benefiz operierende Geldmaschine U2.

Die Band geriet an die üblichen Verdächtigen: Richter Collective, später Sargent House. Beides in den Fußspuren von ASIWYFA.
2008 erschien „This Is the Album of a Band Called Adebisi Shank“, 2010 gefolgt von… na, wer errät es?… genau!… „This Is the Second Album of a Band Called Adebisi Shank“. Das dritte und leider letzte Album hieß dann folgerichtig…

Klar, vorrangig ist Adebisi Shank eine Math Rock-Band. Aber sie schaffen es, Electro und Post-Rock, Heavy Metal und -haltet Euch fest- dem Sound der Neuen Deutschen Welle zu mischen.
So könnte der Track „(-_-)“ durchaus ein Intermezzo auf einem Daft Punk-Album sein. Und „Century City“ könnte ebenso gut von Palais Schaumburg („Wir bauen an einer Stadt“, youtube) aus den 80ern/90ern stammen.

Wie immer zuletzt: Adebisi Shank klingen wie…?

  • definitiv Math-Rock-Granden wie And So I Watch You From Afar
  • gitarrenverstärktem experimentellem Electro à la Ultraísta

So oder so: Ich habe die Band lieb gewonnen und habe endlich mehr Mukke, deren Energie auf dem Fahrrad eins zu eins in die Waden übersetzt wird.

 

 

[MdM Mai] Samavayo – Dakota

Rein in die Stahlkappen-FlipFlops, Zeit für Stone Rock!

stoneAuf Samavayo war ich 2005 nach Erscheinen ihres Albums „One Million Things“ aufmerksam geworden. „Wait“ (tape-tv-Musikvideo) ist ein super Einstieg. Auch wenn es der iranstämmige Sänger Behrang Alavi immer prima schafft, aus balladigen Passagen zur Bäm-auf-die-Fresse-Attitüde zu wechseln: Für mich liegt der Reiz in Samavayo in der richtigen Prise des Spiels mit verrückten Akkorden, verrückten Tempi und verrückten Mischung all dieser Elemente in fetzigen 240 Sekunden.

Erwähnt werden sollte aber auch der Track „Tehran Girl“ . Nicht nur musikalisch eine willkommene Einbettung von arabischen Harmonien und Klängen in das Genre Stone Rock. Auch politisch ist der Song ein Hingucker. Die Widmung bei der Erscheinung 2008 lautete „our contribution to support the Iranian freedom movement“ und der Text hat traurigerweise an Aktualität nicht verloren.

Dakota

Kurzum, ich hatte die Band seitdem auf dem Radar. Obwohl die Band inzwischen nur noch neben Sänger Alavi aus den Brüdern Andreas (Bass) und Stephan (Drums) Voland besteht komprimiert das Trio weiterhin ordentlich Energie in ihren Songs. Im Mai 2016 erschien nun endlich ihr 5. Studio-Album: Dakota

Die Band selber beschreibt die Besonderheit ihres Sounds:

The special thing about Dakota is the mix of 70s and 90s rock sound that combines progressive instrumental parts and heavy mosh parts with oriental elements and unusual rhythms.

Indeed, indeed! Der Titeltrack Dakota ist ein 7-minütiges Feuerwerk im 5/4-5/4-3/4-Wechsel. Versuch mal dazu zu moshen! Manche Abschnitte erinnern an den energiegeladenen Sound von Black Sabbath, wieder andere dank des mehrstimmigen Gesangs an das erste Tool-Album Opiate.

Intergalactic Hunt

Der zweite Track, den ich herausgesucht habe, ist „Intergalactic Hunt“. Der gehört tatsächlich in die Kategorie „Auf-die-Fresse-Stone-Rock“. Natürlich hat mich das Motiv mit der Betonung 1-2,4-5… [ok, ich hab echt grade versucht, das irgendwie technisch-schön auszudrücken, aber bekomme es nicht auf die Reihe.] Hört es Euch an, das Motiv bringt auf jeden Fall die reizende Mischung zwischen atypischen Rhythmen und bratzig-schlecht-gelauntem Rock auf den Punkt.


Abschließend: Wem Samavayo gefällt, der oder die wird auch folgende Steine genauer unter die Lupe nehmen wollen: Audioslave (Show me how to live ), Cancer Bats (mehr in Richtung MetalCore, Breathe Armageddon ) aber natürlich auch Samavayos Wurzeln wie Led Zeppelin und Black Sabbath.

[MdM April] Grandbrothers

grand_piano_2Der April gehört dem deutschen Contemporary-Jazz-Duo Grandbrothers.

Im Laufe der vergangenen Woche stieg auf Mixcloud der Mix „Journey into Contemporary Jazz“ des hervorragenden polnischen Cloudcaster Adam Kvasnica auf Platz 1 der Jazz-Charts. Wer Jazz liebt und Kvasnica nicht kennt, dem sei sein Mixcloud-Profil auf jeden Fall ans Herz gelegt.

Am Ende seines 60-minütigen Cloudcasts drang mit dem Titel „Antarctica“ zum ersten Mal der Sound von Grandbrothers an mein Ohr.

Grandbrothers, Lukas Vogel am Notebook und Erol Sarp am Flügel, Debut-Album „Dilation“ (jpc-Link) erschienen im März 2015 beim kleinen Label FILM (Future Is Listening Music) – soweit die Eckdaten.

Minimalistischer Sound

In den vergangenen Beiträgen zu „Musik des Monats“ habe ich immer wieder von „minimalistischem Sound“ gesprochen. Klar, die Instrumentalisierung Klavier plus mechatronische Hämmer, die mit Traverse und Spanngurt am Klavier angebracht sind, legt auch hier wieder „minimalistischen Sound“ nahe.

Dieses Mal sollte die Beschreibung des Sound mehr als nur meine laienhafte, persönliche Meinung sein. Bei der Recherche zu den Grandbrothers stieß ich auf einen Artikel von Felix-Emeric Tota für die FAZ. Darin fand sich eine wunderschöne Beschreibung für „minimalistischen Sound“, die den Zauber der Klangarmut gut einfängt und die ich nicht vorenthalten will.

„[…] das Paradox eines Minimalismus, der Geschichten erzählt, ohne dafür Worte zu brauchen.“

Felix-Emeric Tota über die Grandbrothers, Quelle

Wuppertal, oder: Ta-ta-ta-ta-dadamdamdam-ta …

Statt einer ganzen EP möchte ich hier nur einen Track vorstellen: Wuppertal. Inspiriert vom Wohnort Sarps beginnt der Song mit dem voluminösen Klavierthema. Nach nur einem Takt steigt Vogel mit seinen Hämmern ein: Mal auf dem Holz- oder Metallrahmen des Flügels für Percussion, mal auf den Seiten für einen Cembalo-artigen Sound.

Der Witz dabei ist der Takt: Wuppertal ist im 9/4-Takt.

Und das bringt uns zur abschließenden Frage: An welche Künstler erinnert mich das?
Nun ja, an sehr viele!

Sportbrille DIY-Reparatur

glassesIch liebe mein Fahrrad, meinen Fahrradhelm und meine Sportbrille. Das Alpina Kazak Modell begleitet mich inzwischen seit fünf Jahren. Tatsächlich ist es das zweite Modell, das ich mir gekauft habe. Über das erste ist mal ein Reisebus in Karlsruhe drüber gefahren

Im Sommer 2015 brach der rechte Flügel der Brille ab. Ich schieb’s auf Altersschwäche.

Ein Fall für DIY…

Fahrradbrillen sind derbe teuer, Alter! Ich war echt überrascht. Das aktuelle Modell der Kazak kostet mal eben ≥30€. In meinem Kopf habe ich mir schnell und naiv überlegt, was ich für eine Reparatur brauche. Also habe ich mir im Conrad in Altona eine M2-Gewindestange gekauft und im Games Workshop-Laden in den Colonnaden eine Packung Green Stuff. Green Stuff, für alle die nicht mit Modellbau vertraut sind, ist ein aushärtender Zwei-Komponenten-Kunststoff. Anfangs gelbe und blaue Knete (man folgert warum es green stuff heißt) härtet das Gemisch beider binnen 24 Stunden zu einem harten Verbund aus.

In der Studierendenwerkstatt der TUHH ging ich ans Werk:

  1. Bruchstelle mit Schlüsselfeile und Tapeziermesser bereinigen.
  2. Nase anhand der intakten Nase am linken Flügel mit green stuff nachmodellieren.
  3. warten… warten… warten…
  4. Durchbohrung mit einem 2,6mm-Bohrer.
  5. Alles wieder zusammenschrauben.

… und knacks!

Da stand ich – mega stolz auf die für ein 30% des Neupreises reparierte Brille – und wollte sie das erste Mal aufsetzen. Und knacks! – die modellierte Nase am reparierten rechten Flügel brach durch als ich den Flügel zum ersten Mal auf Spannung brachte. Die Brille wird natürlich über die Ruhelage hinaus gespreizt wenn ich sie aufsetzen will.

Also darf ich nochmal modellieren. Oder aber ich nutze die M2-Gewindestange, bette das eine Ende in green stuff im Flügel ein und schraube an das andere Ende ein Stück Plexiglas. Mal sehen.

 

[MdM März] Marian Hill – Play EP

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Und wiedermal steht ein extended player auf dem Siegertreppchen für den Titel „Musik des Monats“: Das junge, amerikanische Duo Jeremy Lloyd und Samantha Gongol, zusammen „Marian Hill“, verbinden Blues, Jazz und Heavy Bass zu einem wunderbaren Sound.

Fünf Songs, 2013 erschienen – und seit zwei Wochen auf Soundcloud nicht mehr aus Deutschland abrufbar (Grrrr…)

Dennoch verdient jeder Song ein paar Zeilen:

  • One Time: Der langsame Track erinnert mich mit seinem minimalistischem Aufbau an Usher’s „Good Kisser“. Besonders gefallen mir die Trompeten/Alt-Sax-Riffs und das Vocoder-Solo
  • Play: Das Sternstück der Platte. Erneut zeigt das Duo Lloyd/Gongol ihre Kunst im Vocoder-Solo. Derbe empfehlenswert! ( )
  • Lovit
  • Whiskey: Whiskey wird von Gongols feinen Stimme und Lloyds „Heavy Bass“-Ader definiert
  • Breathe into me: Portishead, Belleruche/Kathrin de Boer treffen auf (haltet Euch fest) Trap-Beats!  Der letzte Track der EP bildet dank leichtem Hall, dezenter Melodie aber sattem Bass und guten Hi-Hats einen schönen Abschluss.

Wenn ich in den nächsten Tagen einen Weg finde, an die Titel trotz Regionalsperre ranzukommen, gibts einen Nachtrag.

Hemingway-Wordpress-Theme, Lizenz unklar

Kurzes Technik-Update: Ab jetzt läuft das Blog auf dem kostenlosen, gut gewarteten Theme Hemingway. Schlank, (für meine Bedarfe) ausreichend anpassbar und (natürlich) responsiv. Außerdem kann ich dank des font awesome Plugins alle möglichen Icons hinzufügen… Eine vollständige Liste findet ihr hier: Font Awesome Icons

[MdM Februar] Ben Khan – 1992 EP

speakerWer von den dark hip hop Sounds von Künstlerinnen wie Banks , The Weeknd oder manchem Lorde-Track angetan ist – dem oder der wird Ben Khan gefallen.

Der vierteilige extended player „1992“ beginnt mit „Youth“: Lockere Drum-Akzente, ein Keyboard-Riff wie ein summender Hummelschwarm und der 90er-Gitarren-Sound machen den Track zu einem Kandidaten für den Intro-Song eines Miami-Vice-Remakes.

Savage“, der zweite Track, ist aber eine ganz andere Nummer. Schwere Bässe und eine Melodie, die minimal von einem fetten Sound zwischen Hörnern und Synthesizer getragen wird. Der Hummelschwarm aus „Youth“ war fleißig und liefert einen zähen zweiten Track, zu dem sich einfach gut mitnicken lässt.

Und das war noch nicht alles! „Eden“, Nummer 3 von 4, erinnert mich im ersten Moment an Bilderbuch oder eine etwas hiphop-lastigere Version von Ultraìsta. Leider ist der Track mit 2:41 sehr kurz.

Khan wurde mir von einer guten, guten Freundin (die gerade im 7. Monat schwanger ist – whoop-whoop! ) empfohlen.

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